Archiv für August 2011

Autokatalysierte Wissenschaft

Dass das WWW ursprünglich für eine effizientere Kommunikation in der Wissenschaft sorgen sollte, ist ja nie ein Geheimnis gewesen. Jetzt gibt es auch Ideen, die im Netz und der Open-Source-Szene entstandenen Konzepte zurück in die Wissenschaft zu integrieren. Open Science soll das ganze heißen. Sehr spannende Geschichte. Überhaupt sollte man viel mehr Offenheit wagen. Auch bei Hardware und in der Produktentwicklung.

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Der Schwarm investiert

Ich habe ja schon hinreichend häufig „den Schwarm“ erwähnt. Der Schwarm sind wir: Alle Nutzer des Internets, die Zeit und Lust (und Geld) haben, sich mit dem zu beschäftigen, was man als Schwarm viel besser kann, denn als Einzelperson. Eines dieser Dinge, über die ich noch nichts geschrieben habe, ist das crowdfunding, die Finanzierung durch den Schwarm.

Hiermit ist nicht das bezahlen für normale Dienstleistungen oder Waren gemeint, sondern die Vor-Finanzierung von Projekten und Firmenneugründungen. Die Produktion einer CD für einen Künstler zum Beispiel, der sich nicht von großen Musikverlagen abhängig machen möchte. Aber auch die Inszenierung eines Tanz-Theaters oder die Entwicklung neuartiger technischer Gerätschaften.

Es gibt mittlerweile richtige Plattformen, die es Projekten erlauben, sich selbst zu präsentieren und Geld einzunehmen. Hier ist eine Liste von deutschsprachigen Schwarmfinanzierungs-Plattformen. Kickstarter ist eine amerikanische Plattform, die sich auf kreative und technologische Werke spezialisiert hat. Auf Kickstarter wurde auch die anfängliche Programmierung von Diaspora* finanziert.

Oftmals werden die Projekte nur ganz oder gar nicht finanziert: Wenn die angepeilte Summe nicht zusammenkommt, wird von den Geldgebern gar nichts genommen. Um Anreize zu schaffen, die Projekte zu finanzieren werden auch Prämien angeboten. Um beim Beispiel mit der CD, dem Theater und dem technischen Gerät zu bleiben: Eine handsignierte CD frei Haus geliefert, Theaterkarten mit After-Show-Party und ein fertiges technisches Gerät. Alles abhängig von der Höhe der Finanzierung. Teilweise bieten die Projekte auch zehn oder zwanzig verschiedene Anreize, gestaffelt nach Geldhöhe.

Neben mehr oder weniger kommerziellen Angeboten, gibt es noch Plattformen, die Entwicklungshilfe durch den Schwarm finanzieren wollen – allen voran Kiva, die vom Schwarm finanzierte Mikrokredite auszahlen. Hier gibt es, abgesehen von einem guten Gewissen, keine Gegenleistung an die Geldgeber.

Habt ihr vielleicht auch Lust, etwas Geld für einen mehr oder weniger uneigennützigen Zweck auszugeben und sich vielleicht ein paar Geschenke machen zu lassen?

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Neurowissenschaften und Rechtsprechung

Warum werde ich für Prozesse, die in meinem Gehirn stattfinden und zu physikalischen Handlungen führen, verurteilt? Fragt sich ein Mitglied der Long Now Foundation. Interessante Gedanken, die aber bestimmt nicht neu sind.

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Nichtlinearitäten im Lanzeitverhalten

Die Welt ist leider kompliziert. Einfach war es nie. Einfach wäre gut, einfach wäre linear.

Für alle, die nicht wirklich wissen, was linear bedeutet: Einfache Proportionalitäten sind der Prototyp der Linearität. Je mehr – desto mehr, aber mit einem bestimmten Verhältnis, dieses kann auch negativ sein. Es wird Proportionalitätsfaktor genannt.

Leider gilt für viele Prozesse und Zusammenhänge in der Natur, dass sie sich nur im Kurzzeitverhalten und/oder lokal linear verhalten. Im Langzeitverhalten dominieren viel zu häufig Nichtlinearitäten. Was eine Nichtlinearität sein soll, müsste jetzt auch klar sein: Prozesse, denen man keinen Proportionalitätsfaktor zuordnen kann. Zum Beispiel könnten diese immer stärker wachsen oder irgendwann einfach mal zu Wachsen aufhören und sich ins negative verkehren. Und diese Systeme kommen viel häufiger vor, als lineare. Um gute Vorhersagen machen zu könne, muss man wissen, mit welchem Grad an Nichtlinearität man es zu tun hat.

Leider ist unser Gehirn darauf optimiert in bestimmten Zeiträumen und Längenskalen zu denken und in diesen auch Vorhersagen zu treffen. In diesen erscheint so manches linear, was es eigentlich nicht ist. Erscheint unter dem Gesichtspunkt der Evolution auch gar nicht so falsch – wäre da nur unsere Kultur nicht dazwischengekommen. Wir haben so komplizierte (soziale, wirtschaftliche, technische) Netzwerke aufgebaut, dass diese sich so gut wie nie auch nur ansatzweise linear verhalten.

Alle nichtlinearen Prozesse verhalten sich leider auf lange Sicht anders, als auf kurze. Dieses hier zum Beispiel. Es kommt von der Long Now Foundation, einer nichtkommerzielle Stiftung, die sich der Weitsicht verschrieben hat. Die wollen versuchen heute schon ins Jahr 10.000 zu blicken. Mit so einigen interessanten Projekten. Auch die von ihnen angebotenen Medieninhalte sind sehr empfehlenswert.

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Physiker erklären die Gesellschaft

Die Physiker haben es sich ja irgendwie zur Aufgabe gemacht, die Welt zu erklären. Kennt man ja schon.

Komischerweise hören sie mit der Welt nicht auf, sie wollen sogar die moderne Gesellschaft – darunter auch die Wirtschaft – erklären. Ich denke, das ist wirklich ein lohnender Forschungsgegenstand, hätte ich auch so mein Interesse dran. Wäre wenigstens endlich mal etwas Grundlagenforschung, die direkte Anwendung hätte – wenn auch nicht in neuen Produkten, die man wirtschaftlich ausschlachten kann.

Vor allem, weil ich die Wirtschaft immer noch nicht „verstehe“. Meine Erfahrungen (und die damit zusammenhängende Intuition) haben mir schon immer irgendwie gesagt, dass die Wirtschaft ein sehr instabiles Gebilde ist. Glaubt irgendjemand, dass Wirtschaft wirklich so funktionieren kann, wie man das immer erklärt bekommt?

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